Das allgemeines Gesellschaftsjahr als Alternative zur Wehrpflicht
Juni 27th, 2010 Posted in Berichte | Kommentare deaktiviert
Der Kreisverband der Jungen Union Neumarkt (JU) spricht sich klar gegen eine Abschaffung der Wehrpflicht aus. „Wir erachten im Gegenteil ein allgemeines Gesellschaftsjahr für junge Frauen und Männer für sinnvoll“, erklärt der JU-Kreisvorsitzende Maximilian Federhofer. Bereits der „Einstieg in den Ausstieg“ mit der Verkürzung auf sechs Monate im Koalitionsvertrag von Union und FDP sei falsch gewesen. Ein eigens eingesetzter Arbeitskreis unter der Leitung des Sengenthaler JU-Ortsvorsitzenden Marc Mösl hat sich daher in den vergangenen Monaten mit dem Thema Wehrpflicht beschäftigt und ein Positionspapier erarbeitet.
Dieses wurde nun bei der Bezirksversammlung der Jungen Union Oberpfalz dem Bundesverteidigungsminister Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg übergeben. „Wir plädieren klar für den Erhalt der Wehrpflicht und zwar entgegen der Entscheidung der Bundesregierung für eine Dienstzeit von mindestens 9 Monaten“, stellt Arbeitskreis-Leiter Mösl klar. Sowohl im Wehr- als auch im Zivildienst werde diese Zeit benötigt, um die Dienstpflichtigen ausreichend auszubilden und in ihre Aufgaben einzuarbeiten. Dabei soll laut der Jungen Union kein Unterschied zwischen Mann und Frau gemacht werden. „Gewissensgründe gegenüber dem Kriegsdienst sollen kein Freifahrtschein sein, um einen Dienst am Sozialstaat zu umgehen“, sagt Mösl. Daher solle die „Wehrpflicht“ in ein „Allgemeines Gesellschaftsjahr“ umgewandelt werden. „Wir erachten es als sinnvoll, dass junge Menschen dem Sozialstaat eine Leistung in jungen Jahren zurückgegeben. Das Verantwortungsbewusstsein gegenüber dem Sozialstaat und das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein wird so gestärkt“, erklärt Federhofer.
Eine Abschaffung der Wehrpflicht würde den Sozialstaat nach Einschätzung der Jungen Union vor große Probleme stellen. Zum einen würden bei sozialen Einrichtungen viele Stellen wegbrechen, die dann mit teureren Fachkräften besetzt werden müssten. Dies würde wiederum dazu führen, dass diese Einrichtungen die Kosten durch Verteuerungen ihrer Leistungen oder höhere Zuwendungen durch staatliche Seite abdecken müssten. „Letztendlich wird es dann für den Bürger teurer“, sagt JU- Geschäftsführer Marius Mauerer. „Gerade in sozialen Einrichtungen fällt dann auch die Zeit für ein offenes Ohr oder ein tröstendes Wort möglicherweise aus Kostengründen weg“, befürchtet Mauerer. Ein weiteres Problem durch Abschaffung der Wehrpflicht würde nach Einschätzung der JU im Bereich Nachwuchskräfte auftauchen. „Viele soziale Berufe wurden erst durch die positiven Erfahrungen während des Zivildienstes ergriffen. Auch bei der Bundeswehr ist die beste Eigenwerbung in Sachen Nachwuchs der Wehrdienst“, erklärt JU-Kreisvorsitzender Federhofer.
Am meisten ärgere junge Menschen aber das Thema der Wehrgerechtigkeit. „Zum jetzigen Stand sehen wir diese Gerechtigkeit nicht gegeben, und fordern daher, dass es gerecht zugeht.“ Daher sei es richtig, wenn sowohl Männer als auch Frauen ihren Dienst leisten müssen. Davon ausgenommen sollen laut der Jungen Union nur Personen, die aufgrund körperlicher oder geistiger Einschränkungen weder Wehr- noch einen Ersatzdienst in irgendeiner adäquaten Form leisten können.
„Ob der zu leistende Dienst als Wehr- oder Ersatzdienst geleistet wird, muss den Dienstpflichtigen freigestellt werden. Hier ist neben den klassischen Varianten auch ein kommunales Jahr in der Heimatgemeinde oder ein ökologisches Jahr denkbar“, erklärt AK-Leiter Marc Mösl. „Junge Menschen sind bereit, etwas für die Gesellschaft zu tun und sich aktiv einzubringen. Das allgemeine Gesellschaftsjahr wäre daher auch eine sinnvolle Ergänzung nach der Schule vor Studium oder Ausbildung die richtigen Weichen für die Zukunft zu stellen“, sagt Federhofer. Der Bundesverteidigungsminister versicherte im Gespräch mit den JU-Vertretern zu, das Papier zu prüfen und „über diese interessante Variante“ ernsthaft nachzudenken.

